Stellungnahme zur AStA-PM „Kompetenz statt Quote“
genannt: Erstens, dass so nur eine nominelle Gleichberechtigung entstehe
und die Gefahr bestünde, dass weibliche Leistungen herabgewürdigt und
Leistungsträgerinnen als „Quotenfrauen“ abgestempelt würden. Zweitens,
dass gerade im Rahmen der Exzellenzinitiative Kompetenz und Eignung
wichtiger sei als Gleichberechtigung und drittens gebe es ja sowieso oft
nicht genug Bewerberinnen für Führungspositionen, da die Frauen mehr Wert
auf Familien- als auf Karriereplanung legten.
Fangen wir mit dem letzten Argument an: Es ist schon gegen den Gedanken
der Gleichberechtigung, wenn davon ausgegangen wird, Frauen hätten sich
mehr Sorgen um die Familienplanung zu machen. Gleichberechtigung muss
damit beginnen, über Jahre festgefahrene gesellschaftliche Stereotype
aufzubrechen: Familienplanung muss ebenso Männersache sein wie
Frauensache. Es muss selbstverständlich werden, sowohl Frauen als auch
Männer nach der Geburt in Elternzeit gehen können – und danach nahtlos
wieder in ihren Job einsteigen.
Wer argumentiert, dass Kompetenz wichtiger sei als Gleichberechtigung,
behauptet damit nicht weniger, als dass Frauen generell inkompetenter
seien als Männer. Denn es gibt durchaus genug hochqualifizierte Frauen:
Mittlerweile beenden oftmals nicht nur mehr Frauen als Männer einen
beruflichen Abschluss, sondern sie haben auch bessere Noten.
Die verbesserte Ausbildung von Frauen allein reicht also nachweislich
nicht aus, um ihren Anteil in relevanten Positionen zu vergrößern. Solange
weiterhin Männer tendenziell lieber Männer als ihre Nachfolger einsetzen
und fördern, werden Frauen, egal wie gut sie qualifiziert sind,
unterrepräsentiert bleiben.
Natürlich kann eine Quote erstmal nur nominelle Gleichberechtigung
erwirken. Solange sich aber auf anderem Wege nichts verändert, muss es sie
geben um einen Anfang zu machen, um Umdenken einzuleiten und um Frauen
Vorbilder zu geben und ihnen zu zeigen, dass es keinen Anhaltspunkt gibt,
warum Männer gehobene Funktionen besser ausfüllen könnten.
Gleiches muss aber auch für Männer in „Frauenberufen“ gelten: Eine Quote
ist nur dann richtig auf dem Weg zur Gleichberechtigung, wenn sie keine
Frauen- sondern eine Geschlechterquote ist.
Mindestens genauso wichtig wie die Quote sind allerdings die sie
begleitenden Maßnahmen. Damit es Frauen wie Männern möglich ist, sich
sowohl um ihre Familie als auch um ihre Karriere zu kümmern, muss es eine
weiter ausgebaute Ganztagsbetreuung für Kinder geben. In Elternzeit zu
gehen, muss für beide Geschlechter problemlos möglich sein, ohne deswegen
Nachteile im Job zu haben. Arbeiten in Teilzeit muss auch in der freien
Wirtschaft und in höheren Positionen eine Option sein.
Wir sind also nicht der Meinung, eine Quote sei die Lösung aller Probleme
und ein Allheilmittel. Aber sie ist der dringend notwendige erste Schritt
in die richtige Richtung, auf den wir sonst wahrscheinlich ewig warten
müssen.
Einen aufschlussreichen Beitrag zum Thema Quote lieferte unlängst der Wiener Soziologe Peter Jedlicka mit seinem Buch “Gender Balance”, in dem er Geschlechterbalance als Merkmal moderner Organisationen und Länder identifiziert – und das auch anhand internationaler Statistiken nachweist.
N.Dornhelm